Beyond the Wall – Jenseits der Mauer

Liebe Freunde von Toms Kochbuchblog !

Und wieder einmal befinde ich mich auf „Abwegen“. Ich habe da etwas ganz wunderbares für eigentlich alle unter uns gefunden.       25 Jahre nach der Wiedervereinigung ist ein Buch erschienen, so prächtig und wunderbar, wie nur Benedikt Taschen in der Lage ist, ein solches Werk zu publizieren.

Ich empfinde es als phantastischen Katalog, einer sagen wir mal, völlig misslungenen, aber heute hochinteressanten, „41 jährigen Dauerausstellung“ einer Realsozialistischen Einparteien-Diktatur in all´ ihren Facetten.

Ich kann mit Stolz sagen, das ich zumindest den letzten Teil der Wende über Wochen hautnah in Berlin miterlebt habe und mich noch immer für diese unglaubliche Zeit und diesen ehemaligen „Klassenfeind“ in all seinen Tatsachen und Einzelheiten interessiere.

Für alle denen es ähnlich geht, ist dieses wunderbare Buch erschienen:

Copyright (c) by TASCHEN

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Beyond the Wall – Jenseits der Mauer, Katalog der Ausstellung im Wende Museum/ Los Angeles von Justinian Jampol erschienen bei TASCHEN.

Jenseits der Mauer: Kunst und Alltagsgegenstände aus der DDR
Justinian Jampol
Hardcover, quarter-bound, with ribbon bookmark, thumb index and booklet, 22 x 32 cm, 904 Seiten, € 99,99

Noch nie zuvor wurde ein so unglaubliches Spektrum an Alltagsgegenständen, Kunst, Technik, Uniformen, offizieller Symbolik, Möbelstücken, einfach allen Dingen, na sagen wir mal, aus denen die DDR bestand, ausgestellt oder gezeigt. Justinian Jampol hat sie in den letzten 25 Jahren zusammen getragen und daraus (leider in Los Angeles) „sein“ Wende-Museum entstehen lassen. Einzigartige Fotodokumente aus privaten Nachlässen dokumentieren ungeschönt das tägliche Leben in der DDR, welches von Mangelwirtschaft und Verzicht geprägt war. Einfach unglaublich interessant.

In Kapiteln wie „Essen, Trinken & Rauchen“, „Zuhause“, „Design & Mode“

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oder „Unterhaltung & Erholung“ wird in wunderbar beeindruckender Art und Weise nicht nur das alltägliche Leben, sondern auch der erst nach der Wende entstandene Begriff „Ostalgie“ eingehend verdeutlicht, warum war das so??? Trotz des ständigen Mangels an den einfachsten Dingen des täglichen Lebens, entstand nach der Wende auch eine gewisse Sehnsucht nach diesen Ost-Produkten, die früher einfach zu haben waren, egal ob es die Cabinet-Zigaretten, oder die Vita-Cola war.

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Mein erster Kontakt mit der DDR war eine 3- tägige Reise als Konfirmand mit der Kirchengemeinde in unsere damalige „Schwestergemeinde“ in der DDR in der Nähe von Weimar, ich denke noch heute an die „Durchsuchung“ unserer beiden VW-Busse mit denen wir unterwegs waren, die kleinen überdachten „Fließbänder“ in Helmstedt- Marienborn, auf denen die Pässe vom ersten zum zweiten Kontrollpunkt transportiert wurden, der Zwangsumtausch, bei dem sich jeder von und damals schon fragte, was wir wohl mit dem Geld tun sollten, das monotone Rattern auf der Transitstrecke, welches durch die Dehnungsfugen der aneinander gegossenen Betonplatten entstand…….aber die

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irgendwo größte, nennen wir es einmal „Betroffenheit“ stellte sich erst bei der Ankunft in dem kleinen Ort ein, ich werde das niemals vergessen, (nicht das diese Menschen nicht auch zufrieden waren mit dem was sie hatten, ABER……) irgendwo sah es dort, damals in 1983/84 noch so aus wie hier im Westen Mitte oder Ende der 50er Jahre, war hier die Zeit stehen gebelieben???? Zu allen weiteren, folgenden Besuchen in der „Schwestergemeinde“ versuchte man natürlich alles mögliche (vom Fahrradschlauch bis zur Audiokasette) mit zu schicken, was dort überhaupt nicht, oder nur sehr schwer verfügbar war und es irgendwie an den „Grenzern“ vorbei zu bekommen. Der Kreativität des „Schmuggelns“ waren hier keine Grenzen gesetzt. Angst hatte man keine, im Gegenteil, es war eher der Ansporn zu helfen und jemandem ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Oft waren es für uns einfache banale Dinge des täglichen Lebens, meine Mutter schickte immer Stapelweise Strumpfhosen mit, ich werde das nie vergessen, verrückt oder…….

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Genug ausgeschweift, jetzt wieder zum Buch, Jampol hat wirklich an absolut alles gedacht, es ist phantastisch und unbeschreiblich, was er zusammengetragen hat, die unendlich vielen, oftmals in der Zeitschrift „Kultur im Heim“ beschriebenen Einrichtungsgegenstände, typischer „Ost-Schick“, die immer wieder auf ein neues faszinierenden Fotos aus allen Bereichen des täglichen Lebens, Plakate, Broschüren, Speisekarten (ich hab auch noch eine originale in 1989 ergattern können), die einfach mit einem schmunzeln zu lesenden, handgeschriebenen Brigadeberichte aus Kombinaten……..die FDJ-Berichte und natürlich das alles dominierende politische Räderwerk aus SED, FDJ, Stasi und allen anderen Machtapparaten, es ist einfach unbeschreiblich was hier entstanden ist!

Dazu gibt es ein knapp 60–seitiges Faksimile eines Familienalbums und mehr als 10 Stunden digitales Bonusmaterial mit Film- und Tondokumenten aus der DDR, welche über die „Blippar“-App abgerufen werden können.

Fazit:

Ein absolutes „Must-Have“ für jeden „Ostalgiker“ und Geschichtsinteressierten, ein Zeitzeugnis von allerhöchstem Rang, dank Benedikt Taschen und Justinian Jampol……

You did an unbelievable job !

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