Tim Raue My Way

Wie bereits angekündigt, da ist es endlich, Tim Raue My Way , das zweite, absolut grandiose Werk des Berliner Revoluzzers, der die asiatische Küche hierzulande auf ein ganz neues Level hebt und gehoben hat!

Er ist einer der ganz wenigen der Hochküche, die es wirklich verstanden haben, hochwertige Produkte zu fokussieren, sie nicht mit Fremdaromen oder möglichst vielen anderen Produkten und unnützem Chi-Chi zu überlagern. Tim Raue – was soll ich sagen, love him or hate him, anders geht nicht. Raue nur ein bischen zu mögen geht leider nicht. Einen der so kocht, der so arbeitet, eine solche Kreativmaschine, einen so selbstverliebten, zielstrebigen und produktverliebten Herdfreak muß man einfach lieben! Ich finde RAUE GEIL !

Es gibt nur wenige, die so unbeirrt und „linientreu“ ihren Stil weiterverfolgen und ausbauen wie Tim Raue dies tut und getan hat.

Einer seiner größten Geniestreiche wie ich finde, war es sich im Jahr 2007 von den Dogmen der französischen Küche zu befreien, es gab bei Raue fortan weder Brot, noch sonstige Kohlenhydrate wie Reis, Kartoffel oder Nudeln zur Sättigung. Stattdessen servierte man lieber mehr Krustentiere, Fisch, Geflügel und Fleisch und verschaffte so Gemüse und Obst mehr Raum.

Diese Entscheidung erscheint heute, fast 10 Jahre später, eine der wichtigsten für den weiteren Werdegang des Tim Raue gewesen zu sein, sie machte ihn zu dem was er heute ist, einen, der es wahrlich verdient in der Liste der „Worlds 50 best“ zu erscheinen!

Steckbrief zum Buch:

Tim Raue My Way

Tim Raue – My Way
Copyright © by Callwey Verlag

 

Tim Raue

My Way

Callwey Verlag

288 Seiten, gebunden

Erscheinungsdatum 09.02.2017

ISBN 978-3-7667-2265-2

€ 49,95

 

 

 

Aber My Way ist mehr als nur ein Kochbuch, es ist die unverblümte und knallharte Geschichte eines Jungen, der als Scheidungskind zunächst bei seiner Mutter lebte und dann bei seinem prügelnden Vater in Kreuzberg aufwuchs, bevor er, von zuhause geflüchtet, Gangmitglied bei den berüchtigten „36Boys“ wurde. Aber diesen Teil der Geschichte kennen wir seit 2011, dem Jahr, in dem er seine Biografie „Ich weiß, was Hunger ist“ veröffentlichte.

Tim Raue My Way

Tim Raue
Copyright © by Nils Hasenau/ Joerg Lehmann/ Callwey Verlag

Jetzt aber zurück zu My way, das Buch erzählt eindrucksvoll und stark bebildert die Geschichte eines Kreuzberger Jungen auf seinem unaufhaltsamen Weg zu den Sternen – ja, ich weiß, das klingt sehr klischeebehaftet, aber die Geschichte dieses Jungen ist völlig frei von Klischees, sie ist knallhart, sie ist zielstrebig, sie ist überaus egozentrisch, völlig subjetiv und unangepasst.

Das Buch beleuchtet die Verbindung zwischen Berlin und Singapur, denn dort fand nach einem Besuch im Restaurant Jade Raues kulinarische Verwandlung statt, das war der kulinarische Wendepunkt seines Lebens!

Das Buch besteht aus drei Teilen: Teil 01 finding yourself mit den Kapiteln wut und gewalt, sowie struktur und disziplin, Teil 02 creating yourself mit den Kapiteln wahnsinn und methode sowie präsenz und souveränität. sie zeigen die beeindruckende, ja nahezu unglaubliche Entwicklung von Tim Raue.

Spannend und noch viel beeindruckender wird es ab Teil 03, hier gibt´s das, auf was wir alle gewartet haben, grandioses Foodpairing in höchster Vollendung, rezepte (ja, ich weiß auch das man das groß schreibt, aber ich wähle hier ganz bewusst die Schreibweise aus dem Buch!), weil ich es einfach Klasse finde!

Die Rezepte sind unterteilt in :

  • vorspeisen und snacks
  • dim sum
  • fisch
  • krustentiere und meer
  • geflügel
  • fleisch
  • desserts
  • grundrezepte

Raues beeindruckende Kreationen wie Steinbutt, Erbse & Melone, zeigen die große schöpferische Kraft des Meisters, zeigen wie kontrastreich und stilsicher Tim Raue in seinen Gerichten „agiert“.

Den besten (wenngleich auch etwas aufwendigeren) Snack der Welt zum Fußball gucken findet man in Form von Radieschen, Schwarte & Miso Mayo übrigens auch im Buch, ein wahres Fest der Aromen!

Oder der St. Pierre Nr. 219, dessen Namensfindung eine Persiflage an chinesische (oder auch deutsche Speisekarten) mit ihren Gerichtenummern zum Bestellen ist. Hier ist es aus Anlehnung an den zweiten Stern und die 19 Gault Millau-Punkte geschehen.

Aber nicht nur aus dem RTR, sondern auch aus dem LSP gibt´s Rezepte, so wie Kaviar & Berliner Senfei, eine zeitgemäß-luxuriöse Interpretation des alten Berliner Klassikers.

Tim Raue My Way

Copyright © by Nils Hasenau/ Callwey Verlag

Mehr als beeindruckend auch die wunderbaren Dessert-Kreationen aus der Patisserie des Meisters. Atemberaubende Kombinationen und Pairings wie Banane, Räucherbutter & Yuzu oder Rambutan, Himbeere & Palmensamen, werden auf dem Teller zu schlichten aber trotzdem meisterlichen Kunstwerken in handwerklicher Perfektion, ohne dabei jedoch jemals als überladen und „arrogant“ zu wirken, erinnert sich der Gast doch in erster Linie an den Geschmack und nicht an das Aussehen eines Gerichtes.

Aber genug jetzt, erlebt & erlest Euch diesen Raue selbst, es gibt 70 seiner besten Rezepte und die 40 wichtigsten Grundrezepte; ergötzt Euch an der wundervollen Food-Fotografie von Jörg Lehmann, der wieder einmal sein perfektes Auge unter Beweis stellt! An dieser Stelle von „es lohnt sich“ zu sprechen wäre tief gestapelt . . . .

Fazit:

Mehr RAUE geht nicht, besser und intensiver als je zuvor! Ich liebe dieses Buch, es ist wie ein Blick in die Seele des Meisters!

Danke Tim!

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